Dienstag, 8. November 2011

Dokumentarfotografie kl.12

ich finde hier eine beobachtung über dokumentarfotografie sehr gelungen:

Im Umgang mit der Fotografie haben wir uns vom Glauben an eine objektive Abbildung der Wirklichkeit wohl endgültig verabschiedet. Es wäre daher sinnlos, auf einer bestimmten Methode oder Technik zu beharren und zu behaupten, diese führe zu dokumentarischen Bildern. Dokumentarfotografie kann sich nur als Haltung gegenüber der Welt, als unbedingtes Interesse für Menschen und Dinge, für Vorgänge und Strukturen neu definieren, und zwar in Verbindung mit einem unbedingten Interesse für die Fotografie.

In Bezug auf die Dokumentarfotografie müssen nicht nur Fragen nach den Themen gestellt werden, mit denen sie sich befasst, sondern auch nach der Fotografie selbst. Der Blickwechsel zwischen der uns umgebenden Welt, den Bildern von ihr und wieder zurück auf die Welt beeinflusst sowohl die Wahrnehmung von Bildern als auch die der Welt. In der Wechselwirkung zwischen Wahrnehmung und Fotografie stellen sich Fragen nach der Konstruktion von Welt im Bild und nach Formen der Repräsentation. Ziel einer engagierten und relevanten Dokumentarfotografie kann nur sein, Zusammenhänge aufzudecken und Dinge sichtbar zu machen, zu deren Wahrnehmung wir die Reduktion auf das Bild brauchen.
Prof. Elisabeth Neudörfl in Folkwang , Universität der Künste